Psychosomatische Rehabilitation

Was ist die psychosomatische Rehabilitation?

Die Psychosomatik ist ein Teilgebiet der Medizin, dass die Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper untersucht. Die Psychosomatik berücksichtigt dabei psychische Einflüsse auf somatische Vorgänge und umgekehrt. Die Psychosomatik ist das Zusammenspiel und die gegenseitige Beeinflussung von Körper („Soma“) und Seele („Psyche“).

Psychosomatische Erkrankungen oder Symptome können beispielsweise durch seelische Belastungen und Stress, etwa infolge von Lebenskrisen oder traumatischen Erfahrungen, ausgelöst, verstärkt oder aufrechterhalten werden, ohne dass eine organische Ursache gefunden wird. Umgekehrt können auch körperliche Erkrankungen die Psyche stark belasten. In solchen Fällen spricht man von einer somatopsychischen Reaktion.

Behandlungsmethoden

Das psychosomatische Rehabilitationskonzept im ZaR Münster berücksichtigt die Individualität und die zugängliche Lebenswirklichkeit der Rehabilitanden.

Durch Stärkung von Autonomie und Eigenverantwortung sollen die Betroffenen bei der Entwicklung einer verbesserten krankheitsbezogenen Selbstwirksamkeit, unterstützt werden. Außerdem wird das ganzheitliche bio-psycho-soziale Behandlungskonzept durch ein mehrdimensionales Therapieangebot realisiert.

Folgende Therapiebausteine sind vorgesehen:

  • psychotherapeutische Einzelgespräche
  • psychologische Gruppentherapie
  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Sport-, Bewegungs- und Trainingstherapie
  • Entspannungsverfahren
  • Sozialberatung inkl. Hilfestellung zur Reintegration in Alltag und Beruf
  • Training alltäglicher Fertigkeiten
  • arbeitsbezogene Trainingsmaßnahmen
  • Ernährungsberatung
  • Gesundheitsbildung

Bei Bedarf erfolgt eine sichere medikamentöse Behandlung, die individuelle Bedürfnisse berücksichtigt und eng mit dem Behandlungsplan abgestimmt wird.

Psychologie

Körperliche Erkrankungen, Schmerzen und gesundheitliche Einschränkungen wirken sich oft auch auf das seelische Wohlbefinden aus. Sorgen, Ängste, Stress, Erschöpfung und Unsicherheit können die Bewältigung des Alltags erschweren und den Genesungsprozess beeinflussen.

Deshalb können Sie während ihrer ambulanten Rehabilitation psychologische Angebote in Anspruch nehmen. Unser Ziel ist, Sie dabei zu unterstützen, mit den Folgen Ihrer Erkrankung besser umzugehen, persönliche Ressourcen zu stärken und Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Im Rahmen ihrer Rehabilitation bieten wir Ihnen psychologische Beratung und Begleitung in Einzel- und Gruppensettings an. Bei Bedarf können auch Angehörige einbezogen werden.

Vertraulichkeit

Alle Gespräche und Informationen aus der psychologischen Betreuung werden selbstverständlich vertraulich behandelt und unterliegen den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz sowie der beruflichen Schweigepflicht.

  • psychologische Einzelgespräche zur Beratung, Unterstützung und Krisenintervention
  • Unterstützung bei der Krankheits- und Schmerzbewältigung
  • Beratung von Angehörigen
  • Förderung gesundheitsfördernder Verhaltensweisen und Lebensstiländerungen
  • Strategien zum Umgang mit Stress und psychischen Belastungen
  • psychologische Schmerztherapie
  • Entspannungstraining, z.B. Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation
  • Informationsveranstaltungen zu den Themen Stress und Schmerz

Indikationen

Im ZaR Münster können folgende Erkrankungen behandelt werden:

Angst- und Panikstörungen sind psychische Erkrankungen, die durch wiederkehrende, intensive Angstzustände (Panikattacken) und anhaltende Sorgen über zukünftige Panikattacken, gekennzeichnet sein können. Panikattacken treten oft ohne erkennbaren Auslöser auf und können von starken körperlichen und psychischen Symptomen begleitet werden.

Depressive Erkrankungsbilder umfassen verschiedene Formen von Depressionen, die sich in Schweregrad und spezifischen Symptomen unterscheiden. Zu den Hauptmerkmalen können eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und Interessenverlust, oft begleitet von Schlafstörungen, Appetitveränderungen und Konzentrationsproblemen gehören.

Neben depressiven Erkrankungsbildern gehören auch weitere psychische Belastungen und Störungsbilder zum Behandlungsspektrum, darunter Zwangsstörungen, Traumafolgestörungen, Anpassungsstörungen sowie Persönlichkeitsakzentuierungen oder -störungen mit psychosomatischen Symptomen.

  • wie z.B. Unfälle mit Folgen eines Schädelhirntraumas
  • Zustand nach Krebserkrankungen
  • Zustand nach schweren Operationen
  • Schmerzen und andere körperliche Beschwerden, die organmedizinisch nicht erklärbar sind
  • chronische Schmerzstörungen mit somatischen und psychischen Faktoren
  • z.B. bei Long Covid (Post-Covid?)
  • chronischer Stress
  • nach schweren Erkrankungen
  • akute Sucht
  • akute Suizidalität
  • akute Wahnerkrankungen
  • schwere Persönlichkeitsstörungen

Unter psychovegetativen Symptomen versteht man körperliche Beschwerden, die durch seelische (psychische) Belastungen mitverursacht oder verstärkt werden und über das vegetative Nervensystem vermittelt werden. Das vegetative Nervensystem steuert z.B. Herzschlag, Atmung, Magen-Darm-Tätigkeit, Schweißproduktion und Blutdruck – also Körperfunktionen, die wir nicht willentlich beeinflussen.

Typische psychovegetative Symptome sind z.B.:

  • Herz-Kreislauf:
    • Herzrasen, Herzstolpern
    • Blutdruckschwankungen
    • Schwindel, Schwarzwerden vor Augen
  • Atmung:
    • Engegefühl in der Brust
    • Luftnot, „nicht richtig durchatmen können“
  • Magen-Darm:
    • Übelkeit, Bauchschmerzen, Völlegefühl
    • Durchfall oder Verstopfung
    • Reizdarm-Beschwerden
  • Schwitzen und Temperaturregulation:
    • vermehrtes Schwitzen, Kälteschauer
    • Hitzewallungen
  • Muskulatur:
    • Zittern, innere Unruhe
    • Muskelverspannungen (z.B. Nacken, Rücken)
  • Schlaf- und Essverhalten:
    • Ein- und Durchschlafstörungen
    • Appetitlosigkeit oder gesteigerter Appetit
  • Allgemein:
    • Müdigkeit, Erschöpfung
    • Kopfschmerzen

Wichtige Zusatzinformationen:

  • Die Symptome sind real körperlich spürbar, auch wenn die Auslöser häufig seelische Belastungen, Stress, Angst oder depressive Verstimmungen sind
  • organische Erkrankungen müssen immer zuerst durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen oder erkannt werden
  • psychovegetative Symptome treten häufig auf bei:
    • Angststörungen
    • Depressionen
    • Anpassungsstörungen / Stressbelastung
    • Somatoformen Störungen