Hallo ZaR Münster, hier spricht Anouk – Assistenzhund in Ausbildung
Ich bin Anouk, 15 Monate jung, ziemlich flauschig (sagen zumindest alle) und aktuell noch in Ausbildung – aber nicht irgendeine! Während andere Hunde sich überlegen, ob sie lieber dem Ball oder der eigenen Rute hinterherjagen, habe ich einen etwas… sagen wir mal… anspruchsvolleren Job.
Zum Glück brauche ich noch keine Reha – mein Herrchen dafür umso mehr. Und weil ich ein echter Teamplayer bin (und ehrlich gesagt auch ein bisschen neugierig), begleite ich ihn dorthin. Jetzt fragt ihr euch vielleicht: „Moment mal, dürfen hier einfach alle Hunde reinspazieren?“ Tja… leider nein. Auch wenn ich persönlich finde, dass jeder Hund ziemlich großartig ist (wirklich!), habe ich eine Besonderheit.
Ich werde nämlich zum Assistenzhund ausgebildet. Bedeutet: Ich bin sowas wie ein Superheld auf vier Pfoten – nur ohne Umhang (der würde beim Rennen eh stören).
Meine wichtigste Aufgabe? Ich kündige meinem Herrchen frühzeitig dissoziative Krampfanfälle an und behalte die Umgebung im Blick:
Gefahren? Check ich.
Stimmung? Spür ich. Snacks?
Finde ich auch (rein beruflich natürlich…).
Und nein – das hat mir niemand „einfach beigebracht“. Diese Fähigkeiten habe ich schon seit meiner Geburt. Was wir lernen mussten, war, die richtigen Signale zu erkennen und zu verstehen. Dafür musste ich schon mit gerade mal sieben Wochen einen ziemlich harten Test bestehen. Kein Welpenspielplatz – eher so ein „Bist du bereit für deine Mission?“-Moment.
Viele Hunde merken übrigens auch, wenn es Menschen nicht gut geht – aber sie denken sich dann eher: „Hm, interessant… aber der Ball ist interessanter.“
Nicht ich! Ich will immer helfen. Besonders schlimm wird’s, wenn Kinder weinen – da bin ich sofort im Einsatzmodus. (Okay, vielleicht auch ein bisschen übermotiviert.)
Meine Fähigkeit nennt man übrigens „Disflasher“. Klingt verrückt, oder? Ist es auch! Die Wahrscheinlichkeit, einen Hund wie mich zu finden, ist ungefähr so hoch, wie sechsmal hintereinander im Lotto zu gewinnen. Ja, richtig gehört. SECHSMAL.
Mein Bruder war übrigens auch ein echter Profi – ein sogenannter Anzeigehund, der Menschen mit Diabetes oder Epilepsie hilft. Der musste sogar noch mehr Tests bestehen. Seine Trefferquote? Eher so zehnmal im Lotto gewinnen. Kein Druck in der Familie, wirklich nicht.
Jetzt kommt aber der Teil, den ich nicht ganz verstehe: Laut Gesetz bin ich aktuell… ein Gegenstand.
Ein. Gegenstand. Hallo?! Ich habe Gefühle, eine Mission und einen ausgezeichneten Geschmack bei Leckerlis! 🦴
ABER: Sobald ich meine Ausbildung abgeschlossen habe, werde ich offiziell als Hilfsmittel anerkannt – also etwas, das meinem Herrchen hilft, seine Einschränkungen auszugleichen. Klingt schon viel besser, oder?
Deshalb sind mein Herrchen und ich unglaublich froh, dass ich im ZaR Münster schon jetzt so viel für meine Ausbildung lernen darf. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen – und neue Chancen, noch besser zu werden.
Was uns allerdings ein bisschen traurig macht: Obwohl Assistenzhunde immer bekannter werden, übernehmen Krankenkassen die Kosten leider nur selten. Dabei steckt hinter meiner Ausbildung nicht nur viel Arbeit, sondern auch ganz viel Herz.
Aber hey – wir geben nicht auf. Ich habe schließlich eine Mission. Und jetzt entschuldigt mich bitte… ich muss wieder die Lage checken.
Pfoten drauf,
euer Anouk



